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Beitragsentlastung im Alter: direkt in der PKV oder über eine ETF-Police?

„Die Beitragsentlastung taugt nichts" — diesen Satz hören wir oft. Er greift zu kurz. Aber auch das Gegenteil stimmt nicht pauschal. Wir zeigen ehrlich, was der Beitragsentlastungstarif kann, was eine ETF-Police kann, und für wen welcher Weg passt.
Die kurze Antwort vorweg: Es kommt darauf an — vor allem darauf, ob Sie angestellt oder selbstständig sind.
Wer privat krankenversichert ist, zahlt im Ruhestand weiter seinen vollen Beitrag — bei sinkendem Einkommen. Genau dafür gibt es zwei Wege, heute etwas zurückzulegen: den Beitragsentlastungstarif (kurz ABE oder BET) direkt in der privaten Krankenversicherung oder den freien Vermögensaufbau, zum Beispiel über eine ETF-Police. Beide funktionieren. Aber sie funktionieren völlig unterschiedlich.
Was der Beitragsentlastungstarif eigentlich ist
Mit der ABE zahlen Sie heute einen Zusatzbeitrag in Ihre PKV. Dafür sinkt Ihr Krankenversicherungsbeitrag ab einem festgelegten Alter — meist 65 oder 67 — um einen vertraglich garantierten Betrag, etwa 200, 300 oder 500 Euro im Monat, und zwar lebenslang. Es ist kein Sparprodukt, sondern ein Versicherungsbaustein: Der Versicherer bildet Alterungsrückstellungen und garantiert daraus die Entlastung.
Warum „taugt nichts" zu kurz greift
- check_circleEs ist eine Garantie. Die Entlastung steht fest — unabhängig von Börse, Zinsen oder Lebenserwartung. Eine ETF-Police kann mehr bringen, muss es aber nicht.
- check_circleDer Arbeitgeber zahlt mit. Für Angestellte gilt: Der Beitrag zur ABE gehört zum PKV-Beitrag, der Arbeitgeber trägt bis zum Höchstzuschuss die Hälfte. Bei einer ETF-Police zahlen Sie jeden Euro allein.
- check_circleSteuerlich absetzbar. ABE-Beiträge sind Krankenversicherungsbeiträge und damit als Vorsorgeaufwand absetzbar. Beiträge in eine ETF-Police sind es nicht.
- check_circleKeine Disziplin nötig. Das Geld ist zweckgebunden und kann nicht zwischendurch „mal kurz" für etwas anderes verwendet werden.
Und wo die ABE tatsächlich schwächelt
- check_circleKein Kapital, kein Erbe. Wer vor dem Entlastungsalter stirbt, den Versicherer wechselt oder in die GKV zurückkehrt, verliert die Rückstellungen. Es gibt kein Guthaben, das jemandem gehört.
- check_circleNull Flexibilität. Keine Zuzahlungen, keine Entnahmen, kein Pausieren — nur die Beitragsfreistellung mit entsprechend geringerer Entlastung.
- check_circleBegrenzte Rendite. Kalkuliert wird mit dem Rechnungszins der PKV. Über 30 Jahre liegt ein breit gestreuter ETF historisch deutlich darüber — ohne Garantie.
- check_circleAuch die ABE kann teurer werden. Beitragsanpassungen betreffen den Entlastungstarif ebenso.
- check_circleFür Selbstständige ohne Zuschuss fällt das stärkste Argument weg — hier muss man wirklich rechnen.
Ein Rechenbeispiel: 30 Jahre, 100 Euro im Monat
Angenommen, ein 30-Jähriger zahlt monatlich 100 Euro Zusatzbeitrag in einen Beitragsentlastungstarif und erhält dafür ab 67 eine garantierte Entlastung von 500 Euro im Monat. Dieselben 100 Euro fließen alternativ in eine ETF-Police mit angenommenen 6 % Wertentwicklung pro Jahr.
500 € garantiert ab 67
- Angestellter: Arbeitgeber zahlt 50 € mit, Steuerersparnis auf den Eigenanteil rund 21 € (42 % Grenzsteuersatz) → netto ca. 29 € im Monat
- Selbstständiger: kein Zuschuss, Steuerersparnis rund 42 € → netto ca. 58 € im Monat
- Kein Kapital, entfällt bei Wechsel oder Tod vor 67
ca. 160.000 € mit 67
- Angestellter und Selbstständiger: kein Zuschuss, kein Steuerabzug → netto 100 € im Monat
- Ergibt als lebenslange Rente je nach Rentenfaktor etwa 400–500 € monatlich — oder als 4 %-Entnahme rund 530 €, das Kapital bleibt erhalten
- Nicht garantiert — bei 4 % Wertentwicklung nur rund 100.000 €
Was das Beispiel zeigt: Der Angestellte bekommt für 29 Euro netto eine garantierte Entlastung, für die er in der ETF-Police 100 Euro netto ohne Garantie einsetzen müsste. Würde er stattdessen nur die 29 Euro in ETFs sparen, kämen bei 6 % rund 47.000 Euro zusammen — etwa 130 bis 150 Euro Monatsrente. Für Angestellte ist die ABE pro Netto-Euro also kaum zu schlagen. Für den Selbstständigen ist der Abstand kleiner (58 zu 100 Euro), und die ETF-Police bringt Kapital, Flexibilität und Erbe mit — hier lohnt sich die Kombination.
Vereinfachte Modellrechnung mit Beispielwerten: Entlastungshöhe, Zuschuss und Steuersatz sind individuell; ETF-Werte vor Kosten und Steuern, keine Garantie. Ihre konkreten Zahlen rechnen wir mit Ihnen durch.
Die grafische Übersicht
Beitragsentlastungstarif
thumb_upVorteile
- Garantierte, lebenslange Beitragssenkung
- Arbeitgeber zahlt bis zu 50 % mit (Angestellte)
- Beiträge steuerlich absetzbar
- Kein Kapitalmarktrisiko
- Zweckgebunden — keine Versuchung
thumb_downNachteile
- Kein Kapital, nicht vererbbar
- Verlust bei Wechsel oder Rückkehr in die GKV
- Keine Zuzahlung, Entnahme oder Pause
- Rendite auf Rechnungszins-Niveau
- Unterliegt Beitragsanpassungen
ETF-Police
thumb_upVorteile
- Höheres Renditepotenzial über lange Laufzeiten
- Kapital gehört Ihnen — vererbbar
- Flexibel: Zuzahlen, entnehmen, pausieren
- Unabhängig von Versicherer, PKV oder GKV
- Steuerfreie Fondswechsel, Halbeinkünfteverfahren bei Auszahlung
thumb_downNachteile
- Keine Garantie — Kursschwankungen
- Kein Arbeitgeberzuschuss
- Beiträge nicht absetzbar
- Kosten der Police
- Erfordert Disziplin bis zur Rente
| Kriterium | Beitragsentlastung | ETF-Police |
|---|---|---|
| Sicherheit / Garantie | ||
| Renditechance | ||
| Förderung Angestellte (AG + Steuer) | ||
| Förderung Selbstständige (nur Steuer) | ||
| Flexibilität | ||
| Vererbbarkeit / Kapital | ||
| Schutz bei Versicherer-/Systemwechsel |
Einordnung der Subdirektion Merz & Partner, keine Bewertung im Sinne eines Ratings. Fünf Punkte = besonders stark ausgeprägt.
Für wen passt was?
badgeAngestellte
Hier ist die ABE oft die effizienteste Form der Beitragsvorsorge: Der Arbeitgeber trägt die Hälfte, der Rest ist absetzbar — netto kostet Sie ein Euro Entlastung deutlich weniger als ein Euro. Eine ETF-Police ergänzt sinnvoll für Flexibilität und Erbe.
storefrontSelbstständige
Ohne Zuschuss zählt nur der Steuervorteil gegen die Nachteile Kapitalverlust und Inflexibilität. Wer lange Zeit hat und Schwankungen aushält, fährt mit einer ETF-Police häufig besser — oder kombiniert eine kleine Garantie-ABE mit einem größeren flexiblen Baustein.
Unser Fazit: Die Frage lautet selten „entweder – oder". Eine Grundentlastung über die ABE schafft Planungssicherheit, eine ETF-Police liefert Renditechance, Flexibilität und Erbe. Das richtige Mischungsverhältnis hängt von Ihrem Status, Ihrem Steuersatz, Ihrer Wechselwahrscheinlichkeit und Ihrem Alter ab — und das rechnen wir mit Ihnen konkret durch.
Wie viel Entlastung brauchen Sie — und wie?
Wir zeigen Ihnen Ihren voraussichtlichen PKV-Beitrag im Ruhestand, rechnen ABE und ETF-Police nebeneinander und finden Ihren Mix.
Dieser Beitrag bietet eine allgemeine Orientierung und ersetzt keine individuelle Beratung. Steuerliche Aussagen hängen von Ihrer persönlichen Situation ab. Fondsanlagen unterliegen Kursschwankungen. Maßgeblich sind die jeweils gültigen Tarif- und Versicherungsbedingungen.